Aktuelles aus der Trage-Welt

Was trägt der Sommertragling?

Es ist heiß! Und der Tragling möchte trotzdem getragen werden. Wir schwitzen beide, ich habe Wechselwäsche dabei. Eventuell besitze ich eine luftige Komforttrage oder ein besonders leichtes Tragetuch. Das alles hilft jedoch nicht gegen das Schwitzen, denn das passiert hauptsächlich durch den engen Körperkontakt. Was ziehe ich dem Tragling an wenn er schwitzt? Wie verhindere ich, daß er eine Erkältung durch einen "Zug" bekommt? Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit Wäsche aus Wolle mit Seide gemacht.

  • Wolle hat eine sogenannte natürliche Thermoregulations-Eigenschaft.
  • Sie kann bis zu 33 % ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen.
  • Sie leitet Feuchtigkeit wesentlich schneller ab als Baumwolle.
  • Wollkleidung besitzt eine gute Wärmeisolation und wirkt gegen zu große Wärme oder Kälte.
  • Wolle nimmt wenig Gerüche (z.B. von Schweiß) an.
  • Seide wirkt isolierend gegen Kälte und Wärme.
  • Sie kann bis zu einem Drittel ihres Gewichtes an Wasser einlagern.
  • Sie enthält besonders viele antimikrobielle Stoffe.

Die Kombination der beiden Fasern ist optimal als Bekleidung für Traglinge geeignet. Gerade auch im Sommer. Die Kinder können den Schweiß an die Wolle abgeben und werden nicht feucht. Die Haut fühlt sich lange trocken an. Hersteller von Outdoor-Funktionsbekleidung haben das auch erkannt ...und so sitze ich hier bei 32 Grad im Schatten in meinem Wolle/Seide Funktionsshirt und fühle mich pudelwohl...und trocken!

Trageliese´s kleine Begriffskunde: Full-Buckle, Half-Buckle, Wrap Conversion?

In der Tragewelt tut sich derzeit unglaublich viel! Viele neue Hersteller bringen immer ausgefeiltere, optimierte und weiterentwickelte Tragen auf dem Markt. Wenn ich an meinen Trage-Start vor 15 Jahren denke...ja...es gab das Tragetuch...und den BabyBjörn ;-) Der Glückskäfer-Tragesack war lange Jahre die einzige "Tragehilfe" die einigermaßen in Ordnung war. Seither ist der Tragemarkt regelrecht explodiert und auch die Tragewelt wird international, viele Bezeichnungen entstehen neu oder kommen aus dem englischen "zu uns rüber". Aber viele wissen nun erstmal garnicht was das alles bedeutet und welche Trage nun was ist.

Ich schaffe mit einem kurzen Überblick Abhilfe:

  • MeiTai oder Wrap Conversion
  • Die „Mutter“ aller Tragehilfen ist der MeiTai. Er kommt aus dem asiatischen Raum und besteht aus einem rechteckigen Stück Stoff (Rückenteil) an dem oben und unten je 2 Bänder befestigt sind. 2 Bänder bilden den Hüftgurt und 2 Bänder die Schultergurte. Alle Bänder werden gebunden.

    Der Begriff "Wrap Conversion" wird in Deutschland weniger gebraucht. Als Wrap Conversion bezeichnet man einen MeiTai der aus einem Tragetuchstoff hergestellt ist.

    Beispiel: DidyTai von Didymos, MySol von Girasol, HopTye von Hoppediz, FlyTai von Fidella

  • Half-Buckle
  • Half-Buckle bedeutet, dass die Tragehilfe am Hüftgurt mit Schnallen oder Klettverschluß geschlossen wird. Die Träger hingegen werden gebunden und haben keine Schnallen.

    Beispiel: Wrapidil, Fräulein Hübsch, Storchenwiege BabyCarrier, Bondolino, auch der MySol lässt sich zum Half-Buckle umfunktionieren.

  • Full-Buckle
  • Bei der Full-Buckle Trage erfolgt der Verschluss sowohl am Hüftgurt als auch an den Trägern mit Schnallen.

    Beispiel: Manduca Baby Carrier, Buzzidil, Fidella Fusion, emeibaby 2in1 Carrier

Die Physiologie des Tragens

Babys und Kinder im ersten Lebensjahr, haben von außen besehen nicht die typische Doppel-S-Form der Wirbelsäule. Ganz junge Neugeborene sind insgesamt noch sehr asymetrisch und instabil. Das doppelte S ist allerdings sowohl im knöchernen als auch im muskulären System schon angelegt. Allerdings "zieht" das aus Platzmangel nach vorne gekippte Becken des Kindes die Wirbelsäule in eine runde Form. Im Mutterleib ist die Wirbelsäule des Kindes sanft gestützt. Das Baby schwebte sozusagen in der Fruchtblase und war keinerlei Belastung ausgesetzt. Wenn die Kinder geboren sind ist es wichtig, Wirbelsäule und Becken/Hüfte in ihrer Form gut zu unterstützen. Die kindliche Wirbelsäule nimmt die Doppel-S-Form, die Stöße besonders gut abfedert, erst im Laufe der Zeit an. Dies geschieht mit dem Fortschreiten der motorischen Entwicklung bei der das Kind zuerst lernt seinen Kopf zu heben.

Eine stabile Basis geht von den Sitzbeinhöckern aus. Geben wir dem Kind eine gute Stütze unterm Po, wird es sich mit steigender Muskelkraft, erst im Schulterbereich stabilisieren. Diese Entwicklung setzt sich in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres nach unten in die Hüfte fort, bis diese schließlich nach hinten auskippt und das Kind von seiner Statur her aufrecht ist.

Physiologisch gesehen ist das Liegen im Bettchen für den Säugling nicht sinnvoll denn dort wird die allmähliche Streckung der Wirbelsäule nicht durch die wachsende Muskelkraft bewirkt sondern durch die Schwerkraft, der aber das Baby in den ersten Monaten nichts entgegen zu setzen hat. Im fest und gleichmäßig um den Babykörper geschlungenen Tragetuch wird die Wirbelsäule optimal gestützt und kann sich selbst mit steigender Kraft strecken.

In der Spreizhaltung, die die Beine des Babys automatisch einnehmen und die eine gute Tragehilfe unterstützen muss, drückt der Gelenkkopf genau im richtigen Winkel in die Gelenkpfanne, die sich so optimal wölben kann um den Gelenkkopf zu umschließen. In Gesellschaften in denen es üblich ist, den Säugling auf der Hüfte in der physiologisch korrekten Anhock-Spreiz-Haltung zu tragen, kommen Hüftverrenkungen so gut wie nicht vor. Leichte Hüftdysplasien kann man auch durch Verwendung eines Tragetuches ausgleichen, ohne das die Verwendung einer Spreizhose nötig wird.

Schwerpunkt Hüftprophylaxe Orthopädische Praxis 46, 2, 2010. Mit Klick auf das Bild gelangst Du zum Arikel als pdf-Datei

Schichtplan für den Wintertragling

Danke ans Tragenetzwerk e.V. für die tolle Darstellung des perfekten Zwiebel-Looks für den Wintertragling.

Dieses Baby trägt...

  • Wolle oder Wolle/Seide Langarmbody
  • Eine Strumpfhose aus Wolle oder Wolle/Baumwolle
  • Ein Oberteil aus Schurwolle, hier ein praktisch seitlich zu knöpfendes Schlüttli, und eine Schurwollhose (Strampler etc.)
  • Eine Schurwollmütze und gestrickte Schühchen (Walk, Lammfell etc.)
  • Wärmendes Halstuch und Stulpen aus Wolle oder Wolle/Seide

Und nun ab ins Tragetuch/die Tragehilfe, Tragejacke oder Tragecover drüber und schon kanns losgehn!

Mehr Infos zu geeigneter Babykleidung für draußen unter www.tragenetzwerk.de